Universität zu Köln
Philosophische Fakultät
Archäologisches Institut
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Haus Bürgel, Gutshof und spätrömisches Kastell
Das Kastell Haus Bürgel gehörte einst zu einer ganzen Kette von Festungen, mit denen die Römer versuchten, die Rheingrenze gegen die immer stärker angreifenden Franken zu verteidigen, bis dieser Germanenstamm schließlich um die Mitte des 5. Jhs. n. Chr. Rom in der Herrschaft über das Rheinland ablösen sollte. Die Nachbarfestungen in dieser römischen Kastellkette lagen in Dormagen und in Köln - Deutz. Daß das Haus Bürgel heute rechtsrheinisch, also auf der nach der damaligen Situation "feindlichen" Rheinseite liegt, besagt nichts über die ursprüngliche Situation zur Römerzeit: Erst im späten Mittelalter, wahrscheinlich im Jahre 1374, grub sich der Rhein durch ein katastrophales Hochwasser ein neues Bett zwischen Zons und dem Haus Bürgel, so daß dieses plötzlich linksrheinisch lag.
Das im Grundriß quadratische, ca. 64 x 64 m messende Kastell war trotz seiner in Deutschland einzigartig guten Erhaltung bisher kaum erforscht, da es stets als Gutshof genutzt wurde. Man wußte anhand des erhaltenen Mauerwerks nur, daß es vier runde Ecktürme, zwei Tore und acht runde Zwischentürme besaß, die Umwehrung also eine gewisse Ähnlichkeit mit den allerdings wesentlich größeren Constantinischen Festungen Köln - Deutz und Xanten aufwies. Wie das Innere des Kastells gestaltet war, welche Truppen die Besatzung bildeten, die Gründungszeit und das Ende der Anlage, dies alles war völlig unbekannt.
Vor einigen Jahren schien plötzlich das Haus Bürgel durch rigorose Umbaupläne in seinem Bestand gefährdet zu sein. Glücklicherweise kam es aber nicht zu einer solchen Zerstörung dieses in Deutschland einzigartigen römischen Bauwerks: Es konnte vielmehr dank des Engagements der staatlichen Denkmalschützer, unterstützt von Naturschützern und engagierten Bürgern der Umgebung doch noch gerettet werden. Das Haus Bürgel ist inzwischen als bedeutendes archäologisches Denkmal in öffentlichen Besitz übergegangen, wobei die Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege Nordrhein-Westfalen das dazu nötige Geld bereitstellte. Es wird nun etappenweise renoviert und soll ein archäologisches Museum aufnehmen, eine biologische Station, die das umgebende Naturschutzgebiet betreut, ist 1995 schon eingezogen.
Um das Römerkastell zu erforschen und um auch Material für das Museum zu gewinnen, fanden von 1994 bis 1996 Ausgrabungen der Abteilung Archäologie der römischen Provinzen beim Archäologischen Institut der Universität zu Köln statt. Die Mittel für Grabungen und Auswertung stellte das Ministerium für Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Dieses Unternehmen ermöglichte auf hervorragende Weise eine Forschungsgrabung mit einer Lehrgrabung zur Ausbildung der Archäologiestudenten zu verbinden. Ferner bildete es auch einen Teil der engen Kooperation des Archäologischen Institutes der Universität zu Köln mit dem Archäologischen Institut der Universität Warschau, dessen Leiter Prof. Dr. Thomas Mikocki mit mehreren Mitarbeitern und Studenten an den Grabungskampagnen teilnahm. In minutiöser Handarbeit wurde von den bis zu 20 Mitarbeitern aus Polen und Deutschland all das freigelegt, was die bewegten Zeiten der römischen Herrschaft am Rhein im Boden hinterlassen haben: Gräber, Mauern, Fußböden, Abfallgruben und Brandschichten mit Ton- und Glasscherben, Münzen, Schmuck, Waffenteilen, Werkzeugen und Tierknochen. Auch zwei tiefe Wehrgräben, die sich außen als zusätzliche Annäherungshindernisse um das Kastell zogen (Abb. 1) konnten festgestellt werden. Aus all dem wird jetzt bei der Auswertung die Geschichte der Festung und ihrer Bewohner rekonstruiert werden.
Die Grabungen konnten bisher u. a. die gut erhaltene Fundamente zweier Türme in der Südwest- und Südostecke und Teile der über 2 m starken Wehrmauer freilegen. Im Süden des Hofes fand sich innen an die Wehrmauer angebaut das Kastellbad.
Dieses Bad mit Warm - und Kaltwasserbecken, Umkleide- und Ruheräumen war mit Fußbodenheizung, Glasfenstern und Wandmalereien ausgestattet. Um die Wende vom 4. zum 5. Jh. n. Chr. wurde es umgebaut und, wie offene Herdstellen zeigen, als Wohnhaus benutzt. Anhand von charakteristischen Funden, wie Trachtbestandteilen, Kämmen und Frauenschmuck germanischer Art, kann man die Bewohner identifizieren: Es waren Germanen aus dem rechtsrheinischen Gebiet des heutigen Westfalen und Niedersachsen sowie aus Böhmen, die hier mit Frauen und Kindern im Kastell wohnten und in römischem Auftrag die Festung verteidigten. Irgendwann im frühen 5. Jh. n. Chr. wurde das Kastell erobert und niedergebrannt. Den Bewohnern blieb gerade noch Zeit, ihr Bargeld zu vergraben (ein Münzschatz mit ca. 200 spätrömischen Bronzemünzen fand sich bei den Grabungen 1995). Sie kamen aber nicht mehr dazu, ihr verstecktes Vermögen wieder zu bergen. Eine kontinuierliche Nutzung der Anlage von der Mitte des 5. Jhs. bis zum 8. Jh. scheint es nicht gegeben zu haben: Nachdem das Kastell Haus Bürgel längere Zeit als gut erhaltene Ruine verlassen dagestanden war, baute man es im Mittelalter als Burg und dann später in den heute noch stehenden Gutshof um, dem man seine kriegerische Vergangenheit längst nicht mehr ansieht. In den nächsten Jahren wird neben der wissenschaftlichen Auswertung der Grabungen auch die Einrichtung des Museums zu den Aufgaben der Abteilung Archäologie der römischen Provinzen beim Archäologischen Institut der Universität zu Köln gehören.
Literatur:
Gechter, M., Archäologie im Rheinland 1993 (Köln 1994) 94 ff.
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